
Hast du dich schon einmal gefragt, warum sich manche Qigong-Übungen sofort stimmig anfühlen – und andere eher oberflächlich?
Oft liegt es nicht an der Bewegung selbst, sondern an den drei Grundprinzipien des Qigong. Sie bilden das Herzstück jeder Übung und entscheiden darüber, ob dein Qi – deine Lebensenergie – frei fliessen kann.
In der Übung „Breathing of the Universe“ begleite ich dich genau durch diese drei Prinzipien. Wenn du sie versteht und bewusst anwendest, verändert sich deine gesamte Qigong-Praxis.
Die drei Grundprinzipien des Qigong einfach erklärt
Jede Qigong-Übung basiert auf drei Elementen, die untrennbar zusammengehören: Körperhaltung, Atmung und geistige Ausrichtung, das heisst Gedanke oder Aufmerksamkeit.
Die Haltung – ein entspannter Körper lässt Qi fliessen
Die Körperhaltung ist die Grundlage jeder Qigong Praxis.
Stehst du stabil und gleichzeitig locker, können sich deine Gelenke, Faszien und Energiebahnen öffnen. Das Qi kann sich freier im Körper bewegen.
Achte auf deine natürliche Haltung:
-
- beide Füsse stehen fest auf dem Boden,
- die Knie sind locker und leicht gebeugt,
- das Becken ist sanft auf gerichtet,
- Rücken und Kopf bilden eine Line, das heisst Steissbein Richtung Boden, Scheitel Richtung Himmel,
- Schulter, Arme und Hände bleiben entspannt.
Du wirst merken: Je weniger Spannung dein Körper hält, desto leichter entsteht innere Ruhe.
Der Atem – die Brücke zwischen Körper und Geist
Im Qigong musst du deinen Atem nicht kontrollieren. Es genügt, ihn bewusst wahrzunehmen, ihn – wenn es möglich ist – mit der Bewegung zu synchronisieren.
Wenn du einatmest, weisst du, dass du einatmest. Wenn du ausatmest, weisst, du, dass du ausatmest.
Diese einfache Achtsamkeit lässt den Atem mit der Zeit ganz von selbst tiefer und ruhiger werden. Gleichzeitig beruhigt sich auch dein Geist.
Atem ist Leben. Im Qigong heisst es nicht ohne Grund: Der Atem trägt das Qi – die Lebensenergie.
Yi – die Kraft der Aufmerksamkeit
Das dritte Grundprinzip ist die bewusst Ausrichtung deiner Aufmerksamkeit. Im Qigong nennen wir sie Yi.
Ein alter Satz aus der chinesischen Tradition lautet: „Yi führt das Qi.“ Worauf du deine Aufmerksamkeit richtet, dorthin fliesst auch deine Energie.
In der Übung „Breathing of the Universe“ lenkst du deinen Fokus zunächst auf den Unteren Dantian – das Energiezentrum etwa zwei Zentimeter hinter dem Bauchnabel. Von dort führst du deine Aufmerksamkeit weiter zu den Laogong-Punkten in den Handflächen.
Viele Menschen spüren dabei Wärme, Kribbeln oder ein sanftes Pulsieren in den Händen. Es ist eine Einladung, deinen Körper immer feiner wahrzunehmen.
Ein kleiner Impuls für deinen Alltag
Bevor du heute mit deiner nächsten Qigong-Übung beginnst, nimm dir einen Moment Zeit.
Stelle dir drei einfache Fragen:
- Stehe ich wirklich entspannt?
- Kann ich meine Atem einfach beobachten?
- Wo sind meine Gedanken?
Mehr brauchst du nicht.
Oft verändert schon dieses bewusste Innehalten die Qualität deiner gesamten Übung.
Von Herz zu Herz
Als ich vor vielen Jahren mit Qigong begonnen habe, dachte ich, es gehe vor allem um die richtigen Bewegungen.
Heute weiss ich, dass die Bewegung im Qigong nur die äussere Form ist. Die eigentliche Übung beginnt in dem Moment, in dem Haltung, Atmung und Aufmerksamkeit zusammenfinden.
Genau dort entsteht für mich jene tiefe Ruhe und Verbundenheit, die mich immer wieder zu meinem eigenen Kern zurückkehren lässt.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Vielleicht musst du im Qigong gar nicht mehr tun.
Vielleicht geht es vielmehr darum, weniger zu tun – und dafür bewusster.
Wenn Körper, Atem und Geist miteinander in Einklang kommen, beginnt das Qi ganz natürlich zu fliessen. Genau darin liegt die eigentliche Kraft des Qigong.


